Verrückt? Na und!

Verrückt? Na und! - Authentisch. Direkt. Intensiv

Das Schulprojekt „Verrückt? Na und!“ zählt seit 2015 zu den jüngeren Angeboten der Brücke Ostholstein in Zusammenarbeit mit dem Kreis Ostholstein - Fachdienst Gesundheit, jugendärztlicher Dienst. Fachliche und persönliche Expertinnen und Experten besuchen dazu Schulklassen und erarbeiten mit ihnen im Rahmen eines Projekttages Antworten zu den großen und kleinen Fragen über seelische Gesundheit.

Verrückt? Na und!“ stärkt die seelische Gesundheit von jungen Erwachsenen. Das ist wichtig, weil ...

  • ca. 20% der 13- bis 18-Jährigen psychische Gesundheitsprobleme haben.

  • oft mehrere Jahre vergehen, bis sie Hilfe suchen und bekommen.

  • ca. 2 bis 3 Millionen Heranwachsende mindestens ein Elternteil haben, das psychisch erkrankt ist.

  • 90% der jungen Menschen, die durch Suizid sterben, zuvor eine psychische Erkrankung hatten.

Seelische Krisen in der Jugend haben ihre Gründe und gehören meistens zum Aufwachsen. Sie verbergen sich jedoch häufig hinter Problemen wie Drogen, Alkohol, Mobbing, Gewalt, Schulabstinenz, Schulabbruch und suizidalem Verhalten. Sie...

  • beeinträchtigen Klassenklima und Schulerfolg.

  • werden meist zuerst von Lehrkräften erkannt.

  • sind mit Ängsten, Vorurteilen und Stigmata behaftet.

  • kann man überstehen und daran wachsen.

Das Konzept für das Schulprojekt wurde in Leipzig im Jahr 2001 als Modellprojekt zur Umsetzung der nationalen Gesundheitsziele „Gesund aufwachsen“ und „Depressive Erkrankungen verhindern“ von „Irrsinnig Menschlich e. V.“ entwickelt, erprobt und kommt inzwischen bundesweit zum Einsatz. Unter dem Motto Seelisch fit in Schule und Ausbildung wird der jeweilige „Verrückt? Na und!“ - Schultag von zwei geschulten Experten, je einem mit fachlichen und einem mit persönlichen Hintergrund als Team der Regionalgruppe Ostholstein mit Sitz in Eutin gestaltet. Besonders eindrucksvoll ist die Begegnung der Schulklasse mit der Lebensgeschichte der persönlich betroffenen Person. So bekommt das komplexe Thema „seelische Krisen“ ein Gesicht, werden im offenen Gespräch mit der Schulklasse Ängste und Vorurteile abgebaut. Dabei vermittelt das Team Zuversicht und Lösungswege und fördert dadurch das Wohlbefinden in der Schulklasse. Und das alles wirkt auf die Lernenden und Lehrkräfte total normal.

Ein „Verrückt? Na und!“ - Schultag besteht aus drei Teilen:

  • 1.

    Wachmachen für das Thema
    Zunächst geht es um das gegenseitige Kennenlernen, um die Einführung in die Thematik sowie um die Erwartungen und Lebenserfahrungen der Schülerinnen und Schüler. Die Gespräche und Diskussionen werden spielerisch unterstützt. So bekommen sie die Möglichkeit, sich behutsam in das Thema einzufühlen und sich damit zu identifizieren.

  • 2.

    Glück und Krisen
    Dieser Teil beinhaltet die Gruppenarbeitsphase. Dazu werden mehrere Gruppen gebildet und für jede Gruppe kommt eine Aufgabe rund um seelische Krisen zum Einsatz. Die einzelnen Gruppen entwickeln dazu Lösungen in eigener Verantwortung, die anschließend unter Einbeziehung der restlichen Klasse zum Teil humorvoll vorgespielt oder kreativ präsentiert werden. Daran schließt sich jeweils eine kleine Feedbackrunde an.

  • 3.

    Mut machen, Durchhalten, Wellen schlagen
    Bis hier wird ein Spannungsbogen aufgebaut und es kommt zum Höhepunkt des Schultages. Das Teammitglied mit dem eigenen Krisenerleben outet sich und schenkt der Schulklasse das Vertrauen, indem es aus der eigenen Lebensgeschichte berichtet, wie die Krisen gemeistert wurden und was dabei geholfen hat und heute noch hilft. Im Anschluss lädt die Lebenslehrkraft zum Gespräch ein, was anfangs verhalten, im Verlauf aber rege genutzt wird.

Authentizität und Normalität des Vortrags und der anschließenden Diskussion ist für die Schülerinnen und Schüler eine wertvolle und nachhaltige Erfahrung, zumal sie die vorherigen Arbeitsphasen als ganz normal erlebten.

An diesem Schultag lernen die Heranwachsenden unter anderem Warnsignale seelischer Krisen kennen, sie diskutieren Bewältigungsstrategien, hinterfragen Ängste und Vorurteile gegenüber seelischen Krisen, erfahren, wer und was helfen kann, finden heraus, was ihre Seele stärkt, und begegnen Menschen, die seelische Krisen gemeistert haben.

„Verrückt? Na und!“ ist ein Programm von Irrsinnig Menschlich e.V. in Zusammenarbeit mit der BARMER und der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und –gestaltung e.V. (GVG) des nationalen Kooperationsverbundes "gesundheitsziele.de". Das Programm ist ein Modellprojekt für die vorbildliche Umsetzung der Gesundheitsziele „Gesund aufwachsen“ und „Depressionen verhindern“.

Das Projekt wird durchgeführt von der Regionalgruppe Ostholstein. Methodisch und inhaltlich ist es so aufbereitet, dass es sich für Jugendliche ab 14 Jahren und junge Erwachsene in der Schule und Berufsausbildung eignet.

Für mehr Informationen können Sie hier unseren Flyer herunterladen.

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Projektkoordinatorin Dagmar Gertulla (links) und Koordinatorin für den Fachdienst Gesundheit Andrea Buchmann

Dagmar Gertulla

Regionalleitung Eutin

Andrea Buchmann

Kreis Ostholstein - Fachdienst Gesundheit - Jugendärztlicher Dienst

Downloads / Flyer